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Anlagenbau-Infobase · Kapitel 05 von 14

Dokumentation

Die Anlagendokumentation ist Teil des Projektmanagements, wie Qualitätsmanagement und Projektcontrolling. Gut strukturiert senkt sie die Betriebs- und Instandhaltungskosten des Betreibers und schafft Folgegeschäft für den Planer.

Struktur und Kennzeichnung von Dokumenten

Die Dokumentationsstruktur wird aus der Anlagenstruktur nach DIN EN IEC 81346 abgeleitet. Empfohlene Reihenfolge zu Projektbeginn:

  1. Anlage strukturieren (funktions-, produkt- und ortsbezogen). Zu Planungsbeginn liegt meist nur die Funktionsstruktur vor; die Produktstruktur ist erst nach Festlegung der Ausführung vollständig.
  2. Dokumentationsstruktur daraus ableiten. Nicht jeder Knoten braucht eigene Dokumente; Informationen mehrerer Objekte können einem übergeordneten Objekt zugeordnet werden.
  3. Festlegen, für welche Objekte Typicals (Musterdokumente) genutzt werden.
  4. Dokumente kennzeichnen.
  5. Dokumentationsumfang je Objekt mit Zuständigkeiten festlegen.

Dokumente werden nach IEC 61355-1:2008 klassifiziert. Kern ist der Dokumentenart-Klassenschlüssel DCC (Document kind Classification Code). Das Dokumentenkennzeichen setzt sich aus dem Referenzkennzeichen des Objekts, dem DCC und einer Blattnummer zusammen und erscheint im Schriftfeld (Schriftfeld nach DIN EN ISO 7200, Dokumentgestaltung nach IEC 61082-1).

Zusammenfassung nach der Schriftenreihe „Kennzeichnung und Dokumentation“ der Interessengemeinschaft Energieversorgungsunternehmen (IG EVU), Teil 1 (IEC 61346) und Teil 2 (IEC 61355)

Datenblätter

Apparate-, Maschinen- und Armaturendatenblätter halten Betriebs- und Auslegungsdaten fest: Medium, Betriebs- und Auslegungsdruck und -temperatur, Mengenströme, Stoffdaten, Werkstoffe, Stutzen mit DN/PN und Dichtfläche, Korrosionszuschlag, Prüfdruck und Regelwerk. Sie sind die Brücke zwischen Verfahrenstechnik, Einkauf und CAD-Modell und sollten dieselben Tags wie das R&I-Fließschema tragen.

Stücklisten

Eine Stückliste führt alle Teile und Baugruppen eines Erzeugnisses mit Mengen auf. Sie ist Grundlage für Beschaffung, Bedarfsermittlung, Kalkulation, Arbeitsvorbereitung, Lager, Fertigung und Ersatzteilwesen. Jede Position trägt mindestens Positionsnummer, Menge, Benennung und Sachnummer, oft auch Werkstoff, Abmessungen und Gewicht. Die Umkehrung, also in welchen Erzeugnissen ein Teil steckt, heißt Verwendungsnachweis.

StücklistenartMerkmalStärke
MengenstücklisteAlle Teile mit Gesamtmenge, ohne StrukturEinfach; zeigt nicht, wie Teile zusammengehören
StrukturstücklisteGesamte Erzeugnisstruktur über alle FertigungsstufenZeigt auf einen Blick, wo ein Teil verwendet wird
BaukastenstücklisteNur eine Ebene; Baugruppen erhalten eigene StücklistenÜbersichtlich, gut für Wiederverwendung
VariantenstücklisteMehrere ähnliche Erzeugnisse in einem Dokument, unterschieden über AttributeWeniger Pflegeaufwand bei Produktfamilien
KonstruktionsstücklisteEntsteht mit der Zeichnung, oft direkt daraufAlles Wesentliche auf einem Blatt
FertigungsstücklisteKonstruktionsstückliste, erweitert um Auftrags- und FertigungsdatenPlanung und Abrechnung der Fertigung

Im Anlagenbau entspricht die Materialliste (Rohrleitungs-Materialauszug, BOM) aus Plant 3D bzw. der Isometrie einer Mengen- bzw. Konstruktionsstückliste je Leitung.

Zusammenfassung nach industrial-engineering-vision.de und Wikipedia: Stückliste

Lieferzeiten

Lieferzeiten verfahrenstechnischer Komponenten gleich bei Auftragseingang prüfen. Vom Inbetriebnahmetermin rückwärts lassen sich aus der Basic-Planung die kritischen Komponenten bestimmen; meist sind das Apparate, Maschinen und Sonderarmaturen. Diese Positionen früh spezifizieren und bestellen.

Passendes Angebot

Zum Nachlesen

Fachliteratur, Seminarunterlagen und Videokurse zu P&ID, Plant 3D, Report Creator und Datenbankmanagement im Download-Center.

Normenstand zu dieser Seite 6 Normen · Recherche September 2026
NormInhaltAktuelle AusgabeErsetzt / Nachfolger
DIN EN IEC 81346-1Strukturierungsprinzipien und Referenzkennzeichnung – Teil 1: Allgemeine RegelnDIN EN IEC 81346-1:2024-07ersetzt DIN EN 81346-1:2010-05
DIN EN IEC 81346-2Strukturierungsprinzipien und Referenzkennzeichnung – Teil 2: Klassifizierung von Objekten und KennbuchstabenDIN EN IEC 81346-2:2020-10ersetzt DIN EN 81346-2:2010-05
DIN EN ISO 7200Technische Produktdokumentation – Datenfelder in Schriftfeldern und DokumentenstammdatenDIN EN ISO 7200:2004-05ersetzt DIN 6771-1:1970-12
IEC 61082-1Preparation of documents used in electrotechnology – Part 1: RulesIEC 61082-1:2014 (Ed. 3.0)ersetzt IEC 61082-1:2006 (Ed. 2.0)
EN 61346 / IEC 61346Strukturierungsprinzipien und Referenzkennzeichnungzurückgezogenheute: DIN EN IEC 81346-1:2024-07 und DIN EN IEC 81346-2:2020-10
IEC 61355-1Classification and designation of documents for plants, systems and equipmentzurückgezogenheute: IEC 81355-1:2024 (Rückzug IEC 61355-1 am 2024-12-06)

Recherche bei DIN Media, ISO, IEC und ASME, Stand September 2026. Vor verbindlicher Anwendung bitte die aktuelle Ausgabe beim Normenherausgeber prüfen. Übersicht aller Normen: Anlagenbau-Infobase · Normenstand.